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Wie man den Mond eigentlich *nicht* beobachtet ;)
November 30, 2009, 10:27 pm
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Astronomie ist ja nun auch eine meiner ältesten Leidenschaften, und sie kommt schon allein aus zeitlichen Gründen einfach immer viel zu kurz. Und dazu noch das ewig miese Wetter in diesem grauenhaften Land!! Murphy paßt stetig und hervorragend auf, daß wenn immer irgendwer irgendwo in ganz Deutschland ein Teleskop oder Zubehör neu kauft, auspacken oder ausprobieren möchte, automatisch die Wolkendecke noch ein bißchen dichter wird! Dazu kommt dann noch bei mir die Tatsache, daß ein Wohnort mitten in der Großstadt und ohne wirklich was vom Himmel sehen zu können für das Sternegucken „zwischendurch“ auch nicht gerade die optimalsten Rahmenbedingungen bietet.

Normalerweise nimmt man zum Sternegucken das beste, größte noch irgendwie praktikable Fernrohr, wartet wochenlang geduldig, fährt unter den dunkelsten Himmel, den man finden kann, trinkt idealerweise auch mindestens 24 Stunden lang vorher keinen Alkohol (OK, immerhin *das* schaffe ich unter der Woche sowieso problemlos …!) und nimmt, sollte man denn fotografische Ambitionen haben, auch eine ernstzunehmende moderne DSLR-Kamera zur Hand!

Aber: Auch mitten in Köln kann man manchmal direkt aus dem Schlafzimmerfenster den Mond sehen! Und auf dem Nachtisch steht, statt wie bei anderen Menschen eine Lampe, bei mir ein kleines Celestron C90 Astro Teleskop. Es ist orange und wurde in den späten 70er Jahren auf den Markt gebracht, einer der Klassiker von Celestron Pacific. Man braucht nur das mitgelieferte originale Stromkabel irgendwo einstöpseln und schon läuft der integrierte Synchron-Nachführmotor völlig geräuschlos mit sideraler Geschwindigkeit, der Bewegung der Gestirne folgend.

Keine Knöpfe, kein Surren, kein Computer, keine LEDs – eigentlich eine wahre Wohltat! Die Vorbereitungen zum „Sternegucken“ werden so zu einer Sache von wenigen Sekunden. Ach ja, das Fenster sollte man noch aufmachen. Ohje, das Seeeeeeing ….. ach was, alles egal heute abend! *g*

C90 am Nachttisch.

Das C90 ist noch für den alten 24,5 mm Okulardurchmesser ausgelegt, ein paar Celestron und Vixen 24,5 mm Okulare habe ich mittlerweile aufgetrieben, es sind gute alte kleine Okulare mit diversen „Circle T“, „Made in Japan“ und Vixen Gravuren oder silbern auf glänzend schwarz bedruckten Aufklebern. Die Okulare wiegen (fast) nichts, das Teleskop ist auf der kleinen Gabelmontierung wunderbar damit ausbalanciert. Sucherfernrohr (5×24), Teilkreise und überhaupt das ganze C90 wirkt eher wie ein 1:2 Modell eines „richtigen“ Fernrohres. Aber seine massive Verarbeitung läßt einfach Freude aufkommen und verleiht dem ganzen den Hauch klassischer Sternwarten-Aura.

Und das alles zusammen, schlechter Stadthimmel, Mond durch dicken Dunstschleier, C90 auf dem Nachtisch direkt unter der dicken Straßenlaterne am geöffneten Fenster, im Hintergrund das Rumpeln der in der Ferne vorbeifahrenden Straßenbahnen, kann einen wirklich wunderbar entspannen! Das Bild verschwimmt durch die trübe Stadtluft und die Turbulenzen im noch nicht abgekühlten Fernrohrtubus. Der Mond erscheint relativ blaß durch den Dunst- und Wolkenschleier. Aber der Blick durch das kleine Fernrohr ist auch an diesem ungeeigneten Ort das Tor zum Nachthimmel! Das wabernde und flirrende Bild gibt einem das Gefühl, live dabei zu sein, gerade am Mond – und das ist doch, was zählt!

25x, 40x oder 52x sind die Vergrößerungsstufen, die das C90 mit einem Celestron 40 mm Kellner (30 Grad Gesichtsfeld *g*), Celestron 25 mm Kellner und dem 18 mm (hier gibt’s mittlerweile die Auswahl zwischen sowohl Celestron Kellner als auch Vixen Ortho) bringt. Das 9 mm Ortho mit 111x macht unter diesen Bedingungen gar keinen Spaß…. ein originales 12 mm für 83x fehlt noch in meiner Sammlung, könnte hier in der Stadt am Mond heute aber auch schon zuviel sein.

Mit der Sigma DP1, einfach hinter das 25 mm Kellner gehalten – da die DSLR momentan auswärts verweilt – habe ich sogar einen überraschend schicken Schnappschuß vom Mond bekommen (siehe oben…). Das ist dann zwar sicherlich das 10.000ste immer wieder „gleich“ aussehende Mond-Foto auf der Welt – aber für mich trotzdem eben der ganz persönliche Stadtmond aus Köln von heute abend:

Der Mond im C90.

Stadtmond im C90!

Clear Skies!