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Einfach gut: Contarex Super mit Distagon 35/2
Januar 2, 2011, 12:30 pm
Filed under: Photographica | Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Weil’s gerade so schön ist, gibt’s hier noch ein paar weitere Impressionen und Informationen zur Contarex Super mit dem dazugehörigen Zeiss Distagon 35/2.

Contarex Super mit Zeiss Distagon 35/2

Wer sich für technische Details interessiert: Erwin Puts hat die MTF-Kurven verschiedener Contarex Objektive – einschließlich des 35ers – hier veröffentlicht; zum Vergleich gibt’s hier bei zeiss.de die entsprechenden Infos zum heutigen Zeiss ZF 35/2, das eine etwas geänderte Optik hat. Man kann die Contarex Objektive mittels Adapter an den Sony NEX-Digitalkameras mit 24×16 mm Sensor verwenden – das hat hier jemand bereits ausprobiert.

Strenge Symmetrie

Weiteren Lesestoff zum Contarex-System gibt’s unter photomoritz.com sowie unter pacifirimcamera.com. Bei classic-camera.de könnt Ihr diese Kameras reparieren oder durchsehen lassen. Last not least gibt es bei butkus.org die originale Bedienungsanleitung (auf englisch) zur Contarex Super als PDF-Download.

Auch taunusreiter.de geht in einigen Sätzen auf die Contarex ein, dort sind auch Bilder des Planar 85/1.4 sowie des Olympia Sonnar 180/2.8 zu sehen – abgesehen davon generell eine sehr lesenswerte Seite über die deutsche Kamerageschichte, die ich Euch gerne ans Herz lege! Und auf marcocavina.com findet Ihr einen phantastischen Bericht mit vielen Bildern des einzigen „Standardzooms“ zur Contarex, dem Vario Sonnar 40-120/2.8.

Contarex-Besonderheit: Rädchen zur Blendenverstellung am Gehäuse

Bei der Kamera auf diesen Fotos handelt es sich um eine Contarex Super. Nach der Contarex „bullseye“, die 1959 herauskam und das System begründete, ist die Super der zweitmeist verkaufte Typ der Baureihe. Etwa 10.000 Contarex Super wurden bis zum Ende der Zeiss Ikon-Kameraproduktion 1972 (in sehr geringer Restauflage noch bis 1975) verkauft. Das sind bereits deutlich weniger als von der bullseye, die es von 1959 bis 1967 auf über 30.000 Stück gebracht hatte. (Die Nikon F wurde von 1959 bis 1974 über eine Million mal verkauft ….) Die angegebenen Stückzahlen variieren teilweise relativ deutlich je nach Quelle – gewissenhafte Recherche ist hier sicherlich angebracht, wenn Ihr es ganz genau wissen möchtet!

Von den späteren Modellen – dazu gehören die Contarex Super, Professional und Super Electronic – gibt es jeweils eine verchromte und eine schwarz lackierte Variante. Die schwarzen Modelle sind durchgängig deutlich seltener. Die Verchromung hat den für die Zeiss-Kameras aus dieser Zeit typischen 60s/70s Hochglanz-Look. Im Gegensatz dazu waren die beiden frühen Modelle, die originale Contarex „bullseye“ und die Contarex Spezial, etwas matter verchromt – so wie die allermeisten anderen Kameras auch.

Auch die Objektive gibt es in zwei Varianten, der matt verchromten für die alten Modelle und einer neueren, glänzend schwarzen Variante, meistens mit hochglanzverchromtem Fokussierring, seltener komplett in schwarz gehalten. Der Übergang von den alten auf die neuen Varianten erfolgte in den Jahren 1966-67, genau wie bei den Kameragehäusen. Abgesehen vom äußerlichen Finish wurden aber die meisten Objektive ohne technische Änderungen über den gesamten Zeitraum von 1959 bis 1972 (1975) produziert, während es bei den Kameragehäusen im Jahre 1967 ja eine sehr deutliche Weiterentwicklung gegeben hat.

Rückseite

Die Contarex Super ist gegenüber der „bullseye“ eine umfassende Weiterentwicklung – sowohl in Design als auch in Technik – und hat als erstes Modell der Baureihe einen TTL-Belichtungsmesser per CdS Zelle und Offenblendmessung: 1967 war das noch ein Wort, wenn auch keine Weltneuheit mehr. Zeit, Blende und Belichtungsmesser werden im Sucher rechts neben dem Mattscheibenbild eingeblendet.

Auf der Mattscheibe ist direkt um die Scharfeinstellhilfe (Schnittbild und Mikroprismenring) in der Mitte ein Kreis eingearbeitet, der den Bereich der Belichtungsmessung markiert. Zeiss Ikon gibt den Meßbereich bei Verwendung eines 50 mm Objektives mit 7 Grad an – heute würde man das eine Selektivmessung nennen, die eben einen etwas größeren Bereich als eine reine Spotmessung abdeckt.

Die äußere Anzeige des Belichtungsmessers

Der Verschluß läuft rein mechanisch ab. Hier unterscheidet sich die Contarex Super vom letzten, deutlich selteneren Modell der Baureihe, der Contarex Super Electronic: Dort ist ein voll elektronisch gesteuerter Verschluß eingebaut. 1968 war das eine Weltneuheit auf dem Kameramarkt, wenn auch andere Kameras wie beispielsweise die ostdeutsche Praktica PL electronic offenbar der Contarex um einige Monate zuvorgekommen waren.

Vom elektronischen Verschluß war es dann für die Kamerahersteller nur noch ein kurzer Weg bis zur Zeitautomatic – aber diesen Schritt ging man im Contarex-Programm leider nicht mehr. Es gab zwar den Tele-Sensor, einen kuriosen externen Belichtungsmesser, der oben auf der Kamera befestigt werden konnte und dann eine Zeitautomatic bot – aber wer wollte das schon haben, wenn es doch wesentlich einfacher und naheliegender direkt in die Kamera hätte integriert werden können? Nikon bot zur F2 allerdings ein ähnlich umständliches Gerät an, einen externen Blendenmotor, der hier eine Blendenautomatic ermöglichte (die Nikon F2 hatte ja im Gegensatz zur Contarex Super Electronic noch einen mechanischen Verschluß). Es war halt eine Übergangszeit in der Technologie.

Nach knapp über 3.000 Exemplaren wurde die Contarex Super Electronic ohne Nachfolger eingestellt. Zeiss schloß einen Vertrag mit dem japanischen Hersteller Kyocera und 1974 kam die in Japan gefertigte Contax RTS auf den Markt – der Rest ist (leider mittlerweile auch schon vollständig) Geschichte.

Zeitenrad, Auslöser, Filmzählwerk: Ähnlichkeiten zur Contax II

Eine Eigenart aller Contarex Modelle ist die Option, Wechselrückwände zu benutzen. Die Kamera auf den Bildern hat allerdings eine normale Rückwand. Für den Suchereinblick ist das auch angenehmer, da die Form der Wechselrückwände ein paar Millimeter nach hinten übersteht. Man kann außerdem auch kleine durchsichtige, nach Belieben beschriftete Kunststoffstreifen in einen Schlitz an der Rückseite der Kamera einschieben: Auf diese Weise konnten Daten mit in die Bilder einbelichtet werden.

Deutsches High Tech-Design in den späten 60er Jahren

In manchen anderen Details zeigte die Contarex Super allerdings bereits 1967 ihr Alter. Da ist zum einen das Bildzählwerk, welches manuell vom Fotografen bei jedem neuen Film zurückgestellt werden muß. Auch die Springblende in den Objektiven funktioniert noch nicht vollautomatisch: Vor der Aufnahme wird zwar das Sucherbild mit Offenblende angezeigt, auch die Belichtungsmessung erfolgt bei Offenblende. Aber nach dem Auslösen bleibt die Blende geschlossen. Damals galt das als leicht rückständig. Wenn man fotografiert, fällt es allerdings ehrlich gesagt kaum jemals störend auf.

Reminiszenz an die 50er: Blitzautomatic-Schriftzug

Soviel zunächst mal von meiner Seite zu dieser feinen Kamera. Den ersten Film habe ich schon zum Entwickeln abgegeben *g* …. wenn sich keine gravierenden Probleme zeigen sollten, geht die Kamera mit allen Objektiven als nächstes zur großen Inspektion bei classic-camera.de und danach werde ich sie hoffentlich auch dann wirklich regelmäßig einsetzen. Das nehme ich mir zwar bei jeder analogen Kamera vor, aber die Contarex hat halt einfach etwas Besonderes an sich …. so daß in diesem Fall der gute Vorsatz auch Wirklichkeit werden könnte!

Stay tuned….

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1 Kommentar so far
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Ein sehr schöner Bericht! Habe heute nach über 1 jähriger Suche bei ähbäh meine Contarex I + Sonnar 4/135mm mit einem Tessar 2,8/50mm komplettieren können. Jetzt werd ich ihr auch einen Film gönnen und dann geht´s los! Bin ja mal gespannt, ob die Unkenrufe von Henry Scherer sich bewahrheiten, oder ob ich eines der wenigen Glückskinder bin, die eine funktionierende Bulls Eye „geschossen“ haben. Übrigens, der äußerst detailreiche Bericht von Henry ist hier zu finden: http://www.zeisscamera.com/services_overhaul-contarex.shtml
Habe noch nichts spannenderes zur Contarex gelesen! Wie sind denn Deine Erfahrungen mit dem Schätzchen? Würde mich freuen, mal etwas dazu zu hören.
Beste Grüße
Jubbes

Kommentar von Jubbes




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