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Die schöne neue Astrowelt – zum Kaufen bis es uns gefällt :)
Dezember 8, 2009, 11:20 pm
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Astronomie ist ja in Deutschland oft ein relativ theoretisches Hobby. Allein schon wegen des Wetters. Und auch vor allem für die Großstadtbewohner, wozu ich ja auch gehöre. Da bleibt neben den vergleichsweise spärlichen Beobachtungsabenden auch viel Zeit, in Foren, Zeitschriften, Büchern und auf Händlerhomepages dem theoretischen Teil nachzugehen und zu dem gehören ja auch die Fernrohre und das viele tolle Zubehör.

Zeiss Telementor 2

Telementor 2 – das unvergessene „Schulfernrohr“ von Zeiss Jena
(Bild: Matthias Bopp)

Heute gibt es sooooo viele tolle Sachen. Aus der Sicht von jemandem, der etwas außen steht und über viele Jahre, aber trotzdem doch nur sehr gelegentlich mal sterneguckt, sieht das Ganze irgendwie in etwa so aus: Ganz weit oben tickert eine große Uhr und läutet in einem mehrjährigen, unregelmäßigen Rhythmus die modernen amateurastronomischen Zeitalter ein: Lichtenknecker, Celestron C8, Dobsons, Lowrider, Goto-Montierungen, Apo-Refraktoren, PEC-Korrektoren, und nicht zuletzt immer weitwinkligere Okulare (wer hat denn heute noch ein Panoptic? Das ist wirklich sooooo out, seit es die Ethos-Serie gibt!) ….

Unter dieser Uhr gibts dann irgendwie sowas wie einen riesigen, bunten Basar, vor allem seit eigentlich die Chinesen die komplette astronomische Welt erobert haben. Schon allein die Okulare kommen mit goldenen, blauen und allen möglichen andersfarbigen Kanten jährlich neu auf den Markt. Wenn die farbigen Kanten ausgegangen sind, wird halt dann das gesamte Okular in bunte Farben getaucht. Na und größer werden die Okulare auch ständig. 1 1/4 Zoll ist out, wer was auf sich hält, greift bitte zu 2 Zoll! Außenrum werden aus den früheren funktionalen Gummiringen, die wirklich nur dazu dienten, daß die Finger nicht festfrieren, heute riesige Knubbel, die die Okulare dann noch riesenhafter erscheinen lassen. Und was innendrin (meistens zumindest) dabei mitwächst? Das ist das Gesichtsfeld. Der Wachstum des Gesichtsfeldes wird wiederum von der großen amateurastronomischen Uhr vorgegeben, und dann wären wir wieder am Anfang der Geschichte.

Die Teleskopmodelle selbst ändern sich zwar auch ständig, aber wenn man die vielen Markennamen und -Lackierungen ignoriert, scheint das doch ein etwas beständigerer Markt zu sein. Das Celestron C8 heißt auch heute noch Celestron C8, beispielsweise, und sieht im Wesentlichen auch immer noch wie ein Celestron C8 aus, auch wenn es mittlerweile aus Taiwan und nicht mehr aus der guten alten Fabrik von Celestron Pacific kommt. Bei Refraktoren will man – im Gegensatz zu „früher – heute um jeden Preis möglichst kurze Tuben (das kann ich sogar absolut verstehen: lange sperrige Fernrohre sind mir einfach ein Greuel!) und dadurch gibt es die verschiedenartigsten „Apo“ und „ED“ und ähnlichen Varianten, aber das ist ja nun auch schon eine ganze Weile fast unverändert so. Und Newtons verändern sich im Wesentlichen in der Verwindungssteifigkeit ihrer Tuben und die verschieden hohe Dringlichkeit, nach dem Kauf direkt in „optimierendes“ Zubehör zu investieren sowie zum Fusselroller und der Veloursfolie zu greifen.

Hab ich das bis jetzt alles so einigermaßen richtig verstanden?

Was ist aber denn nun, wenn man immun ist gegen immer neue Crayford-Okularauszüge, immun gegen immer anders verspiegelte Zenitspiegel mit Aluminiumbeschriftung und auch irgendwie immun gegen immer größere Gesichtsfelder in immer größeren, bunteren, teureren Okularen?

Questar 7

Behutsame Modellpflege bei einem unübertroffenen Klassiker:
Questar 7 Lightweight
(Bild: Questar)

Und schon sind wir bei meinem ganz persönlichen Problem.

Ich bin oft schon mit einem Okular mit 40 Grad scheinbarem Gesichtsfeld zufrieden. Wenn darin das Bild schön scharf und knackig ist, und das Hereinschauen bequem, dann ist mir das sehr deutlich lieber als irgendein Super-Weitwinkel-Bildfeld, bei dem man aber die Scharfeinstellung verdrehen muß, je nach dem, ob man in der Mitte oder am Rand gerade optimal scharf schauen möchte. Ich habe außerdem auch nach vielen Jahren immer noch Spaß an den Bildern, die aus einem Fernrohr mit 100 mm oder sogar kleinerer Öffnung rauskommen. Ich mag es ehrlich gesagt auch irgendwie, wenn 4 Okulare bequem in eine Hand passen. (Aber Gigantomanie ist ja auch auf anderen Gebieten wie beispielsweise den heutigen DSLR-Kameras und -Objektiven oft ein Thema.)

Aber ich muß eigentlich kotzen, wenn sich ein Tubus aus eigenem Gewicht verbiegt, eine biegsame Welle wegen schlechter Fertigung herumeiert, die Plastikmontierung zu knirschen anfängt, sobald man eine Kamera ansetzt, oder man vor der ersten Beobachtungsnacht mit einem neuen Teleskop erstmal kleine Metallschnipsel zwischen die beiden Objektivlinsen klemmen muß, damit das Bild vernünftig scharf ausschaut. (Bei einem alten, gebraucht gekauften Teleskop würde ich solche Basteleien natürlich tolerieren, man weiß ja nie, was das arme Ding schon alles vorher durchgemacht haben könnte….!)

Und was ich auch nicht mag, sind Montierungen, wo die Teilkreise nicht sauber drauf abgelesen werden können. Natürlich geht das heute auch alles digital. Aber ich mag auch keinen Kabelsalat, keine zich leuchtenden LEDs oder womöglich angeschlossene Computer. Irgendwie – bin ich halt einfach nur zum Sternegucken da draußen und möchte nicht unbedingt eine ganze Sternwarte mit eigener Stromversorgung mitnehmen müssen! (Der Leser merkt schon: Beobachtungsvorlieben sind sehr subjektiv …. naja, gottseidank, oder?)

Es gibt ja – gerade Astronomen vermuten es sicher schon lange *g* – immer ein Paralleluniversum. Auch was die schöne neue Astrowelt angeht. Zeiss Jena Telementoren erfreuen sich da eines konstant hohen Zuspruchs trotz nur 63 mm Objektivdurchmesser und unzumutbar vorsintflutlichen 220V Synchronmotoren obendrein ganz ohne PEC-Korrektor. Unscheinbare kleine Okulare, lackiert in seidenmattem schwarz, mit simplen Aufdrucken wie O-16 oder O-9 erzielen erstaunliche Preise. Und der vielleicht einzige amerikanische Teleskophersteller, dem es auch 2009 noch einigermaßen gut geht, produziert unbeirrt seine Fernrohre aus edel verarbeitetem und gestaltetem Aluminium sowie Titan und das seit über 50 Jahren quasi unverändert. In dieser Parallelwelt ist vielleicht auch noch Platz für Okulare von Kasai, Leitz und Brandon: Sollen doch die anderen sich mit den modernen riesigen Glaskugeln, die viele Fernrohre schon allein vom Gewicht her völlig außer Gleichgewicht bringen, den täglich wachsenden Gesichtsfeldern und Kidney-Bean-Effekten herumplagen! Und weiter unten, da gibt es halt für teilweise Taschengelder klassisches Equipment von Vixen, Unitron, Celestron …. um nur einige zu nennen.

Brandon Okulare

Seit 1971 im Programm – 38 Jahre fast unverändert:
Vernonscope Brandon Okulare
(Bild: Vernonscope)

Allen diesen Geräten ist gemeinsam: Sie sind teilweise lebende Fossilien. Sie werden sich womöglich in vielen Tests, abhängig davon, welche Kriterien gerade öffentlich angesagt sind, gegenüber moderneren, effizienten, „besseren“ Geräten mehr oder weniger deutlich geschlagen geben müssen. Man hat 1970 noch nicht so ausgefeilte Vergütungsschichten übereinandergestapelt wie heute. Linsenkanten wurden auch eher nach dem gesunden Menschenverstand des Konstrukteurs geschwärzt und nicht unbedingt nur als Werbeargument.

Und das Thema „Gesichtsfeld“ hatten wir auch schonmal; heute heißt ja alles unterhalb von 82 Grad strenggenommen schon mitleidig „Tunnelblick“. Das verstehe ich nicht, was ist an einem schön scharfen, in jeder Hinsicht bequem mit dem Auge übersehbaren Bild mit einem schönen runden schwarzen Rand drumherum im Okular denn nun eigentlich so grundlegend falsch? Das, was man in so manchem alten Okular sieht, klar und deutlich durch wenige, sauber polierte kleine Linsen, spricht halt eindeutig für sich! Sicher gibt es auch irgendwelche Zahlenwerte, die das belegen würden. Auch wenn ausgerechnet diese Meßgrößen momentan vielleicht einfach nicht angesagt sind.

Eigentlich kann ich froh sein, daß ich gegen manche Dinge immun bin. Es würde auch jede Menge Geld sparen auf lange Sicht – und man könnte denken, ich rede mir nur aus finanziellen Gründen hier etwas schön. Aber das stimmt leider nicht: Manche der Verlockungen des Paralleluniversums sind halt leider genauso verdammt teuer! Eine Box mit 5 Brandon-Okularen drin, noch sind sie nagelneu zu haben, für 1000 Dollar in den USA! Gesichtfeld? Ausreichend! (So ähnlich hat Rolls Royce früher auch die Motorleistung seiner Limousinen angegeben.) Aber alle 5 Okulare ganz selbstverständlich parfokal. Das sind eben die Feinheiten, die beweisen, daß sich jemand eben wirklich gründlich Gedanken macht.

Wenigstens die materiellen Träume gibt es halt überall *g* …. Das vereint dann wohl wieder alle Amateurastronomen. Genau wie das Wetter!

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Wie man den Mond eigentlich *nicht* beobachtet ;)
November 30, 2009, 10:27 pm
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Astronomie ist ja nun auch eine meiner ältesten Leidenschaften, und sie kommt schon allein aus zeitlichen Gründen einfach immer viel zu kurz. Und dazu noch das ewig miese Wetter in diesem grauenhaften Land!! Murphy paßt stetig und hervorragend auf, daß wenn immer irgendwer irgendwo in ganz Deutschland ein Teleskop oder Zubehör neu kauft, auspacken oder ausprobieren möchte, automatisch die Wolkendecke noch ein bißchen dichter wird! Dazu kommt dann noch bei mir die Tatsache, daß ein Wohnort mitten in der Großstadt und ohne wirklich was vom Himmel sehen zu können für das Sternegucken „zwischendurch“ auch nicht gerade die optimalsten Rahmenbedingungen bietet.

Normalerweise nimmt man zum Sternegucken das beste, größte noch irgendwie praktikable Fernrohr, wartet wochenlang geduldig, fährt unter den dunkelsten Himmel, den man finden kann, trinkt idealerweise auch mindestens 24 Stunden lang vorher keinen Alkohol (OK, immerhin *das* schaffe ich unter der Woche sowieso problemlos …!) und nimmt, sollte man denn fotografische Ambitionen haben, auch eine ernstzunehmende moderne DSLR-Kamera zur Hand!

Aber: Auch mitten in Köln kann man manchmal direkt aus dem Schlafzimmerfenster den Mond sehen! Und auf dem Nachtisch steht, statt wie bei anderen Menschen eine Lampe, bei mir ein kleines Celestron C90 Astro Teleskop. Es ist orange und wurde in den späten 70er Jahren auf den Markt gebracht, einer der Klassiker von Celestron Pacific. Man braucht nur das mitgelieferte originale Stromkabel irgendwo einstöpseln und schon läuft der integrierte Synchron-Nachführmotor völlig geräuschlos mit sideraler Geschwindigkeit, der Bewegung der Gestirne folgend.

Keine Knöpfe, kein Surren, kein Computer, keine LEDs – eigentlich eine wahre Wohltat! Die Vorbereitungen zum „Sternegucken“ werden so zu einer Sache von wenigen Sekunden. Ach ja, das Fenster sollte man noch aufmachen. Ohje, das Seeeeeeing ….. ach was, alles egal heute abend! *g*

C90 am Nachttisch.

Das C90 ist noch für den alten 24,5 mm Okulardurchmesser ausgelegt, ein paar Celestron und Vixen 24,5 mm Okulare habe ich mittlerweile aufgetrieben, es sind gute alte kleine Okulare mit diversen „Circle T“, „Made in Japan“ und Vixen Gravuren oder silbern auf glänzend schwarz bedruckten Aufklebern. Die Okulare wiegen (fast) nichts, das Teleskop ist auf der kleinen Gabelmontierung wunderbar damit ausbalanciert. Sucherfernrohr (5×24), Teilkreise und überhaupt das ganze C90 wirkt eher wie ein 1:2 Modell eines „richtigen“ Fernrohres. Aber seine massive Verarbeitung läßt einfach Freude aufkommen und verleiht dem ganzen den Hauch klassischer Sternwarten-Aura.

Und das alles zusammen, schlechter Stadthimmel, Mond durch dicken Dunstschleier, C90 auf dem Nachtisch direkt unter der dicken Straßenlaterne am geöffneten Fenster, im Hintergrund das Rumpeln der in der Ferne vorbeifahrenden Straßenbahnen, kann einen wirklich wunderbar entspannen! Das Bild verschwimmt durch die trübe Stadtluft und die Turbulenzen im noch nicht abgekühlten Fernrohrtubus. Der Mond erscheint relativ blaß durch den Dunst- und Wolkenschleier. Aber der Blick durch das kleine Fernrohr ist auch an diesem ungeeigneten Ort das Tor zum Nachthimmel! Das wabernde und flirrende Bild gibt einem das Gefühl, live dabei zu sein, gerade am Mond – und das ist doch, was zählt!

25x, 40x oder 52x sind die Vergrößerungsstufen, die das C90 mit einem Celestron 40 mm Kellner (30 Grad Gesichtsfeld *g*), Celestron 25 mm Kellner und dem 18 mm (hier gibt’s mittlerweile die Auswahl zwischen sowohl Celestron Kellner als auch Vixen Ortho) bringt. Das 9 mm Ortho mit 111x macht unter diesen Bedingungen gar keinen Spaß…. ein originales 12 mm für 83x fehlt noch in meiner Sammlung, könnte hier in der Stadt am Mond heute aber auch schon zuviel sein.

Mit der Sigma DP1, einfach hinter das 25 mm Kellner gehalten – da die DSLR momentan auswärts verweilt – habe ich sogar einen überraschend schicken Schnappschuß vom Mond bekommen (siehe oben…). Das ist dann zwar sicherlich das 10.000ste immer wieder „gleich“ aussehende Mond-Foto auf der Welt – aber für mich trotzdem eben der ganz persönliche Stadtmond aus Köln von heute abend:

Der Mond im C90.

Stadtmond im C90!

Clear Skies!