lichtschacht ::: fotografie / kameras / astronomie


Contarex-Objektive an der Sony NEX-5 – Teil 2: Distagon 35/2

Schon gelesen? Hier ging’s los:
Contarex-Objektive an der Sony NEX-5 – Teil 1

NEW: MY ENGLISH BLOG TOMSCAMERAS.WORDPRESS.COM – NOW FEATURING THIS ENTRY IN ENGLISH LANGUAGE – CLICK HERE!

Das Zeiss Distagon 35/2 für das Contarex System kam im Jahre 1965 auf den Markt. Es war damals das lichtstärkste Weitwinkelobjektiv für dieses Kamerasystem und der teure, mit etwa 3000 gefertigten Exemplaren auch seltenere Bruder des 35/4. Unter dem Namen „Distagon“ faßte Zeiss damals alle seine Retrofocus-Konstruktionen zusammen, die aufgrund des Spiegelkastens ja gerade im Weitwinkelbereich notwendig geworden waren. (Bei Zeiss Jena hießen die hauseigenen Retrofocus-Objektive „Flektogon“ …)

An der Digitalkamera mit ihrem 24×16 mm Sensor wird aus dem Distagon vom Bildwinkel her ein klassisches 50er (genau gerechnet: 35 x 1.5 = 52.5). Das mag auf den ersten Blick schade klingen… aber erfahrungsgemäß ist es immer auch eine Frage des Charakters der jeweiligen Optik, wie gut sie mit solchen veränderten Rahmenbedingungen klarkommt und ob sie womöglich gerade unter diesen Bedingungen ihre eigenen Reize zeigt.

Zeiss Contarex Distagon 35/2.

Zeiss Contarex Distagon 35/2.

Ein Wort zur Bildbearbeitung

Ich fotografiere nie in JPG, sondern immer nur in RAW. Alle die hier gezeigten Bilder sind also in Lightroom geöffnet, in Punkto Weißabgleich, Farbe, Kontrast nach meinem Geschmack angepaßt – warum sollte der eigene Geschmack auch schlechter sein als der der Kamera? – und mit den folgenden Einstellungen als JPG in maximaler Qualität abgespeichert worden: Schärfe: +60 (Skala geht von 0 bis +150), Radius: 0,5 (Minimum), Details: +25 (Standardeinstellung), Maskieren: +5 (Skala von 0 bis +100); Rauschreduzierung/Luminanz: +20 (Skala von 0 bis 100). Alles andere steht auf Standardeinstellung. Keine Verzeichnungs-, keine Vignettierungs-, keine CA-Korrektur.

Herbst im Lohsepark.

Herbst im Lohsepark. (35/2 Distagon, f/2.)

Bild in Originalauflösung.
Herbst im Lohsepark.

Herbst im Lohsepark. (35/2 Distagon, f/4.)

Bild in Originalauflösung.

Verarbeitung: Besser geht es nicht!

Das Distagon 35/2 ist – wie alle Contarex-Objektive – unübertroffen in Verarbeitung, Haptik und Design. Und das „unübertroffen“ ist wirklich ernstgemeint: Wohl kein anderer Hersteller hat jemals so aufwendig in Serie gefertigte Objektive im Angebot gehabt wie Zeiss – und Leica – gerade in den 60er Jahren.

Die Fassung ist komplett aus Metall gefertigt und schwarz eloxiert. Der Fokusring und das Filterbajonett sind glänzend verchromt. Auch außenrum gibt es keinerlei Gummi oder Kunststoff – dennoch wirken die Contarex-Objektive absolut zeitlos modern. Diese Gestaltung hat vor einigen Jahren Cosina bei der Neuauflage des „Voigtländer“-Namens bei einigen Objektiven wieder aufgegriffen. Heute werden auch die bei Cosina gefertigten aktuellen Zeiss-Optiken in einem sehr ähnlichen Design gefertigt.

Allerdings nagt der Zahn der Zeit natürlich auch an diesen Meisterwerken, eine professionelle Reinigung und Erneuerung des Schmierfetts in den Fokussiergewinden kann daher in der Regel nicht schaden. Wenn alles in Ordnung ist, läuft der Fokusring extrem weich, geschmeidig und absolut gleichmäßig. Der vordere Objektivtubus fährt beim Fokussieren etwas heraus, aber er ist natürlich geradgeführt – und es gibt kein noch so minimales Spiel in den beweglichen Teilen, auch nach über 40 Jahren nicht. Es ist nicht nur die hochpräzise Verarbeitung, sondern auch das Material selbst, das diese extreme Langlebigkeit garantiert: Auch Metall ist nicht gleich Metall.

Auf der Negativseite stehen Berichte über manche vernachlässigte Contarex-Optik, bei der das alternde originale Fett irgendwann die Fokussierung komplett blockiert hat. Auch Separation verkitteter Linsenblöcke kommt ab und zu vor und muß dann aufwendig wieder korrigiert werden. Allerdings hat Zeiss schon damals schnell dazugelernt und im Laufe der Zeit die verwendeten Schmierstoffe und die Verkittung der Objektivlinsen verändert – man mußte eben einfach, was Materialien und Werkstoffe angeht, Erfahrungen sammeln.

Beim heutigen Kauf eines Contarex-Objektives gilt es, dies alles zu beachten. Hat man aber eine Optik ohne gravierende Fehler gefunden, ist das ein Begleiter auf Lebenszeit.

Opel, der Zuverlässige – 1.

Opel, der Zuverlässige – 1. (35/2 Distagon, f/4.)

Bild in Originalauflösung.
Opel, der Zuverlässige – 2.

Opel, der Zuverlässige – 2. (35/2 Distagon, f/2.)

Bild in Originalauflösung.

Optik: Klassische Objektivbaukunst in Perfektion

Das Distagon ist 1965 in Serie gegangen, zu einer Zeit, als es noch keine asphärischen Linsen, keine T*-Vergütung, kein Spezialglas, keine Innenfokussierung und noch nicht einmal „floating elements“ gab: Beim Fokussieren wird ganz klassisch der gesamte Linsenblock vor- und zurückbewegt.

Mit 10 Elementen in 9 Gruppen ist das 35/2 Distagon dennoch alles andere als eine vorsintflutliche Primitivität. Genau wie das äußere Design und die mechanische Konstruktion ist auch die optische Rechnung mit allerhöchstem Aufwand erstellt worden.

Zeiss hat bei der Entwicklung der Objektive für die Contarex großen Wert darauf gelegt, daß die Farbwiedergabe und die generelle Charakteristik aller Objektive sehr ähnlich ist. Auch wenn man mit vielen verschiedenen Objektiven arbeitete, sollten dennoch alle Bilder „wie aus einem Guß“ wirken. Zu dieser Zeit war das noch keine Selbstverständlichkeit.

Blätterwald.

Blätterwald.

Bild in Originalauflösung.

Bildqualität: Tja… was soll ich sagen? Sehr, sehr stark!

Objektivtests im Digitalzeitalter sind erbarmungslos. Man schaut sich alles fast automatisch immer in der vielzitierten 100%-Ansicht an – als würde jedes einzelne Bild als quadratmetergroßes Poster ausbelichtet. Zudem ist in diesem Fall – bei der NEX-5 – der Bildsensor deutlich kleiner als analoger Kleinbild-Film: 24×16 mm, mit 14 Megapixeln.

Hinzu kommt, daß die digitalen Bildsensoren nicht immer optimal mit den alten Optiken harmonieren – denn der Sensor mit seiner Mikrolinsenstruktur und den ganz plan in einer Ebene liegenden vielen Millionen Pixeln hat ganz andere Eigenschaften als analoger Film mit seiner leicht „dreidimensionalen“ Kornstruktur. Und nicht zuletzt gilt, wir befinden uns in den 60er Jahren, und das bedeutet: Keine floating elements, keine T* Vergütung, keine Sondergläser!

Das sieht man dem Distagon 35/2 auch durchaus an. Es ist an der NEX-5 alles andere als ein perfektes Objektiv. Bei offener Blende ist der Schärfeabfall zu den Bildrändern hin sehr deutlich sichtbar. Mit jeder Blendenstufe gewinnt das Objektiv, bis – motivabhängig – bei etwa f/5.6 oder f/8 auch die Bildränder und Ecken optimale Schärfe zeigen. (Wenn man die Blende noch weiter schließt, gelangt man bereits in den Bereich der Beugung.)

Die Bildschärfe im Bildzentrum ist dagegen ab Offenblende einfach nur… atemberaubend! Schon bei f/2 so scharf, wie es der NEX-5 Sensor eben hergibt, und schön kontrastreich. Es gibt fast keine Überstrahlungen und nur minimale Farbsäume an harten Kontrastkanten. Für Farben und Kontraste spielt es überhaupt keine Rolle, ob mit offener oder geschlossener Blende fotografiert wird – auch nicht im Tageslicht. Der Look der Bilder ist absolut clean, kontrastreich, die Farbwiedergabe ist hervorragend. Das Contarex Distagon ist ein extrem leistungsstarkes, modernes Objektiv – absolut keine verträumte alte Linse. Das ist an und für sich schon eine große Leistung. Erst recht aber, wenn man an das Herstellungsjahr denkt!

Das Objektiv ist nicht ganz frei von chromatischen Abberationen – das wäre bei dieser Brennweite auch fast schon ein Wunder. Die Bilder sind diesbezüglich (mit Absicht) alle völlig unkorrigiert. Mit einer entsprechenden Korrektur im RAW-Konverter kann man dem problemlos Abhilfe schaffen. Ohne es im Labor nachgemessen zu haben, scheint mir das Ausmaß der CA allerdings wirklich relativ gering zu sein.

Interessant wird der Vergleich zum aktuellen Zeiss Distagon 35/2 aus japanischer Fertigung: Dieses Objektiv hat photozone.de mal an einem Nikon-Sensor (ebenfalls 24×16 mm) getestet:

„Similar to the other tested Zeiss lenses the Distagon 35mm f/2 produces breathtakingly high center resolution figures straight from the max. aperture setting. At f/2.8 and f/4 the center quality matches or exceeds the limits of the 10mp D200 sensor. In contrary the border performance is „only“ very good at large aperture settings but increases steadily towards medium apertures where the quality reaches excellent levels.“

Liest sich prinzipiell sehr ähnlich, oder? Nur, daß der Schärfeabfall zu den Bildrändern hin beim neuen Distagon geringer zu sein scheint als beim Klassiker. Aber … macht Euch selbst ein Bild:

Klostertor.

Klostertor. (35/2 Distagon, f/2.)

Bild in Originalauflösung.
Klostertor.

Klostertor. (35/2 Distagon, f/4.)

Bild in Originalauflösung.
Klostertor.

Klostertor. (35/2 Distagon, f/8.)

Bild in Originalauflösung.
Herbststimmung.

Herbststimmung. (35/2 Distagon, f/5.6.)

Bild in Originalauflösung.

Okay, das mit der Unschärfe bei den offenen Blenden ist wohl letzten Endes wirklich eine Luxussorge *g* … speziell beim untersten Bild hat man ja doch deutlich eher den Eindruck, daß da einfach noch viel mehr Sensorauflösung hermüßte, um diese über 40 Jahre alte Optik an die Grenzen treiben zu können. 14 Megapixel auf einem 1.5x Crop-Sensor sind doch eigentlich gar nicht so wenig, sollte man meinen… gottseidank steht aber ja bald die Sony NEX-7 mit 24 MP in den Startlöchern!

Zu den Themen Farbwiedergabe, Überstrahlungen, Bildwirkung, Schärfe, Klarheit, Bokeh schaut Euch einfach die folgenden Bilder an. Ach ja, und die Nahgrenze liegt bei 22 Zentimetern – das ist der Abstand zwischen dem Motiv und dem Bildsensor! Es bleibt eigentlich nur zu sagen, daß mit jedem Bild meine Hochachtung vor dieser Optik weiter angewachsen ist…

Flutlicht.

Flutlicht. (35/2 Distagon, f/2.)

Bild in Originalauflösung.
Unter der Lohsestraße.

Unter der Lohsestraße. (35/2 Distagon, f/8.)

Bild in Originalauflösung.
Steinkrokodil.

Steinkrokodil. (35/2 Distagon, f/2.)

Bild in Originalauflösung.
Am Eingang zur U-Bahn.

Am Eingang zur U-Bahn. (35/2 Distagon, f/4).

Bild in Originalauflösung.

Praxis: Zwei Kritikpunkte

Kritikpunkt Nummer 1: Schon ein kleiner Dreh am Fokusring hat große Wirkung auf die Bildschärfe. Das kennt man von modernen Objektiven, bei denen auf diese Weise der AF-Mechanismus beschleunigt werden soll. Man muß halt, wenn man mit der Bildschirmlupe arbeitet und wirklich genau fokussiert, immer aufpassen, nicht durch eine kaum merkbare leichte Bewegung die Schärfenebene im Bild wieder zu verändern. Vermutlich ist der Fokusring beim 35er Distagon so, wie er ist, weil man seinerzeit eher ein ausgesprochenes Reportageobjektiv schaffen wollte – und da wäre es äußerst hinderlich gewesen, wenn der Fotograf zum Scharfstellen erst lange hätte „kurbeln“ müssen, so wie es beispielsweise bei der Meßsucher-Contax der Fall war.

Kritikpunkt Nummer 2: So eine geniale Verarbeitung, so eine aufwendige Optik – und dann baute Zeiss allen Ernstes eine Blende mit mickerigen sechs Lamellen ein? Beim Abblenden entstehen dann im Hintergrund kleine Sechsecke und bei Nachtaufnahmen auch nicht die allerschönsten „Blendensterne“.

Lichtung.

Lichtung.
(35/2 Distagon, f/2: Runde Spitzlichter im Bokeh!)

Bild in Originalauflösung.
Lichtung.

Lichtung.
(35/2 Distagon, f/2.8: Sechseckige Spitzlichter.)

Bild in Originalauflösung.

Fazit: Wie wird man einer Legende gerecht?

Die einzige wirkliche Schwäche des Contarex Distagon 35/2 am Digitalsensor ist die zu den Bildrändern hin bei größeren Blenden sichtbar nachlassende Schärfe. Ansonsten hat es schon etwas von Perfektion, wenn auch nicht von klinischer – eine Perfektion, die vielleicht an den zickigen modernen Digitalsensoren überhaupt erst so wirklich zur Geltung kommt. Im Bildzentrum ist es bei jeder Blende und allen Lichtverhältnissen absolut scharf und kontrastreich. Es zeigt fast keine Farbfehler und fast keine Überstrahlungen auch bei offener Blende, außer in den allerextremsten Situationen. Es hat darüberhinaus für ein 35/2 eine sehr geringe Verzeichnung. Und was es schon mal gar nicht gibt, sind irgendwelche mechanischen Mängel wie fehlerhafte Zentrierung oder wackelige Mechanikteile: Eine absolut überzeugende Vorstellung auch im Zeitalter der Digitalkameras!

Letzten Endes sind es auch nicht nur die harten Fakten, die zählen: Beim Fotografieren mit diesem Objektiv an einer modernen Digitalkamera merkt man sicherlich, daß man es nicht mit absoluter Fehlerlosigkeit und Perfektion zu tun hat. Aber man spürt und sieht die hohe Qualität, die auch nach über 40 Jahren fast unübertroffen und absolut konsistent ist – die Qualität, die zu diesen klaren, farb- und kontrastreichen, wunderschönen Bildern führt: Die hat einfach nichts von ihrer Faszination eingebüßt.

PS.: Macht es Sinn?

Fast vergessen: Die Sinnfrage! Macht es also Sinn, sich zu seiner Sony NEX ein Contarex-Objektiv zu kaufen? Aus der reinen Anwender-Perspektive würde ich sagen: Ein modernes Zeiss-Objektiv – vielleicht dann auch eher ein Meßsucherobjektiv, wegen der kleineren Abmessungen, oder auch entsprechende Alternativen von Cosina/Voigtländer oder Leica – wären für die kleine Sony bestimmt eine rein sachlich gesehen sinnvollere Wahl als dieser ja doch relativ seltene Klassiker.

Für Sammler dagegen stellt sich diese Frage sowieso nicht. Das Contarex Distagon 35/2 ist und bleibt wohl auf alle Zeiten … einfach eine absolute Optik-Legende!

Advertisements


Contarex-Objektive an der Sony NEX-5 – Teil 1

Digitale Kamera, klassische Optik: Eins der Spielchen, das mir immer wieder Spaß macht! Es war somit nur eine Frage der Zeit, bis eine Sony NEX-5 den Weg in meinen Fotoschrank gefunden hat. Bisher habe ich auch noch überhaupt gar kein Sony-Objektiv dafür – wozu auch, wenn es doch bei etwa 18 mm Auflagemaß und so vielen Adaptern wirklich völlig uneingeschränkte Verwendungsmöglichkeiten für Altobjektive gibt?

1. Der Contarex-NEX-Adapter

Es gibt eine Adapterlösung vom chinesischen Spezialhersteller Kipon für den Anschluß von Contarex-Objektiven an den Sony NEX-Kameras und genau diesen Adapter kann man sich derzeit für rund 90 Euro bei MeinFoto Berlin bestellen.

Das Finish dieses Teils ist insgesamt gut und paßt auch äußerlich relativ gut zu den Contarex-Objektiven. An der auf dem Blendenring etwas schief aufgedruckten (und nicht feinsäuberlich eingravierten und mit Farbe ausgelegten) Skala merkt man aber dann schon, daß hier nicht Zeiss selbst am Werk war. Das soll aber keine ernste Kritik darstellen – der Adapter macht einen soliden und guten Eindruck und natürlich kann man auch problemlos auf „unendliche“ Entfernung fotografieren.

Sony NEX-5 mit Kipon-Adapter und Contarex-Optik.

Sony NEX-5 mit Kipon-Adapter und Contarex-Optik.

Sony NEX-5 mit Kipon-Adapter und Contarex-Optik.

Sony NEX-5 mit Kipon-Adapter und Contarex-Optik.

Sony NEX-5 mit Kipon-Adapter und Contarex-Optik.

Sony NEX-5 mit Kipon-Adapter und Contarex-Optik.

2. Das Fokus Peaking

Das manuelle Fotografieren mit der Sony NEX-Serie ist erstaunlich einfach, seit es nach dem letzten Firmware-Update das Fokus Peaking gibt. In diesem Modus hebt die Kamera alle Kanten im Bild, die besonders hohe Kontraste haben, einfarbig hervor – je nach gewählter Einstellung in gelb, rot oder weiß. Schaut Euch einfach das Video hier an:

In der Praxis funktioniert das erstaunlich gut. Allerdings nicht immer, das hängt sehr vom Motiv ab. Im Zweifelsfall steht natürlich per einfachem Knopfdruck auch die normale 7x oder 14x Bildschirmlupe zur Verfügung – dann bleiben, was den genauen Schärfepunkt angeht, natürlich gar keine Fragen mehr offen!

3. Das Fotografier-Gefühl

Kurz gesagt: Dieses ganze moderne Gedöns funktioniert einwandfrei! Die Abbildung ist auf den heutigen Kamera-Bildschirmen sehr schön klar, scharf und von natürlicher Wirkung, also absolut nicht mehr störend „digital“ oder „verpixelt“. Und die Bildergebnisse sind, wenn man sauber arbeitet und sich der digitalen Hilfen auch konsequent bedient, einfach nur überzeugend konsistent und sehr gut!

"Dann ist es nicht das Ende" – 1.

"Dann ist es nicht das Ende" – 1. (Distagon 35/2 bei f/2)

Ganz wichtig ist in dem Zusammenhang aber natürlich auch, daß sich zumindest bei den NEX-Kameras der Bildschirm grundsätzlich immer nach oben klappen läßt. Man kann die Kamera also relativ tief vor dem Bauch halten, so wie man auch eine Hasselblad halten würde, und dann von oben in aller Ruhe das Bild beurteilen und komponieren.

"Dann ist es nicht das Ende" – 2.

"Dann ist es nicht das Ende" – 2. (Distagon 35/2 bei f/2)

Dennoch braucht man wohl nicht zu erklären, warum eine NEX-Digitalkamera einfach etwas ganz anderes ist als eine Zeiss Contarex. Die NEX sieht aus wie ein Gameboy – auch wenn das Gehäuse in Verarbeitung und Design, wenn man es erst einmal in der Hand hält, insgesamt einen überraschend hochwertigen Eindruck macht. Sie wiegt kaum mehr als 200 Gramm und selbst das 35er Distagon fühlt sich wie ein Supertele an – groß, lang und schwer. Dazu trägt natürlich auch der große Adapter bei. Wen das stört, der kann sich alternativ bei Meßsucherobjektiven mit M-Anschluß oder M39-Gewinde umschauen, die meistens eh schon etwas kleiner sind und zudem einen deutlich schmaleren Adapter benötigen.

Andererseits – wenn man sich an die „Hasselblad“-Haltung hält, stört das größere schwere Objektiv gar nicht mal besonders. Klar ist aber dann auch, daß das Fotografiererlebnis überhaupt nicht mehr mit dem einer analogen Contarex zu vergleichen ist – sondern eben, so unwahrscheinlich das anfangs vielleicht klingen mag, eher mit dem einer Lichtschacht-Mittelformatkamera.

Rush Hour.

Rush Hour. (Distagon 35/2 bei f/2)

Weiter geht es hier:
Contarex-Objektive an der Sony NEX-5 – Teil 2: Distagon 35/2



Die Königin: Contarex Super Electronic in *schwarz*
Januar 10, 2011, 11:00 am
Filed under: Photographica | Schlagwörter: , , , , ,

Damit’s keine Unklarheiten gibt: Das ist leider nicht meine Kamera! Die Bilder dieser perfekt erhaltenen Contarex Super Electronic stammen vom in Savannah, Georgia, ansässigen Auktionshaus Everard & Company, das den Apparat vor einigen Jahren versteigert hat.

ZEISS Contarex SE mit Planar 55/1.4

ZEISS Contarex SE mit Planar 55/1.4

Das Ende einer großen, legendären Ära

Das Ende einer großen, legendären Ära

Von der Contarex SE wurden zwischen 1968 und 1972 (1975) etwa 3.000 Stück gefertigt. Das ist ja schon eine extrem kleine Serie. Die schwarze Variante ist nicht so häufig wie die glanzverchromte, damals nahmen auch die Jungs von der Presse oft noch verchromte Kameras – und die mit Abstand allerseltenste Version ist wiederum die mit dem ZEISS Logo anstelle der bis 1972 verwendeten Zeiss Ikon-Marke. Dazu noch dieser selten perfekte Pflegezustand ….

So macht das Spaß: Tiefglänzender schwarzer Lack auf Metall und Chrom

So macht das Spaß: Tiefglänzender schwarzer Lack auf Metall und Chrom

Leider markiert die Contarex SE mit dem ZEISS Logo auch den absoluten Schlußpunkt: Es ist nicht nur die letzte Contarex, sondern auch generell endete mit diesem Modell in den frühen 70er Jahren die gesamte Kameraproduktion bei Zeiss.

Das besondere Merkmal der Contarex Super Electronic ist natürlich der elektronisch gesteuerte Verschluß. Zwei Knopfzellen sind in einem Fach oberhalb des Suchereinblicks untergebracht. Für die Belichtungsmessung gibt es (außer bei den ganz frühen SE-Kameras) noch eine dritte Batterie im Spiegelkasten, genau wie bei der normalen Contarex Super. Und dann gab es zur Super Electronic noch verschiedenes elektronisches Zubehör wie beispielsweise den Motor Drive oder den Telesensor – den Anschluß dafür seht Ihr vorne an der Seite der Objektivplatte. Eine Contarex SE mit diesem ganzen Zubehör gleichzeitig montiert findet Ihr in der Google-Bildersuche unter dem Suchbegriff Zeiss Ikon Contarex Electronic ultimate setup.

Black is beautiful

Black is beautiful

Das Planar 55/1.4 gab es ab 1961. Die optische Rechnung wurde nach dem Ende der Contarex-Produktion dem Vernehmen nach noch ein bißchen in der Fotoindustrie bis nach Japan herumgereicht …. ob sich das heute alles wirklich noch im Detail nachvollziehen läßt? Das Planar 50/2 macht von den MTF-Kurven einen besseren Eindruck. Das ist auch bei anderen Herstellern nicht unüblich, wenn man deren f/1.4er mit den f/2-Optiken vergleicht! Aber dann fehlt halt obenrum ’ne Blendenstufe – mit der Lichtstärke ist es halt wie mit dem Hubraum *g*

Es gab auch Wechsel- und Langfilmmagazine....

Es gab auch Wechsel- und Langfilmmagazine....

Ein moderner Klassiker im Profil: Contarex SE mit Planar 55/1.4

Ein moderner Klassiker im Profil: Contarex SE mit Planar 55/1.4

All photos above from www.everardandcompany.com – many thanks for the kind permission!



Die schöne neue Astrowelt – zum Kaufen bis es uns gefällt :)
Dezember 8, 2009, 11:20 pm
Filed under: Astronomie | Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Astronomie ist ja in Deutschland oft ein relativ theoretisches Hobby. Allein schon wegen des Wetters. Und auch vor allem für die Großstadtbewohner, wozu ich ja auch gehöre. Da bleibt neben den vergleichsweise spärlichen Beobachtungsabenden auch viel Zeit, in Foren, Zeitschriften, Büchern und auf Händlerhomepages dem theoretischen Teil nachzugehen und zu dem gehören ja auch die Fernrohre und das viele tolle Zubehör.

Zeiss Telementor 2

Telementor 2 – das unvergessene „Schulfernrohr“ von Zeiss Jena
(Bild: Matthias Bopp)

Heute gibt es sooooo viele tolle Sachen. Aus der Sicht von jemandem, der etwas außen steht und über viele Jahre, aber trotzdem doch nur sehr gelegentlich mal sterneguckt, sieht das Ganze irgendwie in etwa so aus: Ganz weit oben tickert eine große Uhr und läutet in einem mehrjährigen, unregelmäßigen Rhythmus die modernen amateurastronomischen Zeitalter ein: Lichtenknecker, Celestron C8, Dobsons, Lowrider, Goto-Montierungen, Apo-Refraktoren, PEC-Korrektoren, und nicht zuletzt immer weitwinkligere Okulare (wer hat denn heute noch ein Panoptic? Das ist wirklich sooooo out, seit es die Ethos-Serie gibt!) ….

Unter dieser Uhr gibts dann irgendwie sowas wie einen riesigen, bunten Basar, vor allem seit eigentlich die Chinesen die komplette astronomische Welt erobert haben. Schon allein die Okulare kommen mit goldenen, blauen und allen möglichen andersfarbigen Kanten jährlich neu auf den Markt. Wenn die farbigen Kanten ausgegangen sind, wird halt dann das gesamte Okular in bunte Farben getaucht. Na und größer werden die Okulare auch ständig. 1 1/4 Zoll ist out, wer was auf sich hält, greift bitte zu 2 Zoll! Außenrum werden aus den früheren funktionalen Gummiringen, die wirklich nur dazu dienten, daß die Finger nicht festfrieren, heute riesige Knubbel, die die Okulare dann noch riesenhafter erscheinen lassen. Und was innendrin (meistens zumindest) dabei mitwächst? Das ist das Gesichtsfeld. Der Wachstum des Gesichtsfeldes wird wiederum von der großen amateurastronomischen Uhr vorgegeben, und dann wären wir wieder am Anfang der Geschichte.

Die Teleskopmodelle selbst ändern sich zwar auch ständig, aber wenn man die vielen Markennamen und -Lackierungen ignoriert, scheint das doch ein etwas beständigerer Markt zu sein. Das Celestron C8 heißt auch heute noch Celestron C8, beispielsweise, und sieht im Wesentlichen auch immer noch wie ein Celestron C8 aus, auch wenn es mittlerweile aus Taiwan und nicht mehr aus der guten alten Fabrik von Celestron Pacific kommt. Bei Refraktoren will man – im Gegensatz zu „früher – heute um jeden Preis möglichst kurze Tuben (das kann ich sogar absolut verstehen: lange sperrige Fernrohre sind mir einfach ein Greuel!) und dadurch gibt es die verschiedenartigsten „Apo“ und „ED“ und ähnlichen Varianten, aber das ist ja nun auch schon eine ganze Weile fast unverändert so. Und Newtons verändern sich im Wesentlichen in der Verwindungssteifigkeit ihrer Tuben und die verschieden hohe Dringlichkeit, nach dem Kauf direkt in „optimierendes“ Zubehör zu investieren sowie zum Fusselroller und der Veloursfolie zu greifen.

Hab ich das bis jetzt alles so einigermaßen richtig verstanden?

Was ist aber denn nun, wenn man immun ist gegen immer neue Crayford-Okularauszüge, immun gegen immer anders verspiegelte Zenitspiegel mit Aluminiumbeschriftung und auch irgendwie immun gegen immer größere Gesichtsfelder in immer größeren, bunteren, teureren Okularen?

Questar 7

Behutsame Modellpflege bei einem unübertroffenen Klassiker:
Questar 7 Lightweight
(Bild: Questar)

Und schon sind wir bei meinem ganz persönlichen Problem.

Ich bin oft schon mit einem Okular mit 40 Grad scheinbarem Gesichtsfeld zufrieden. Wenn darin das Bild schön scharf und knackig ist, und das Hereinschauen bequem, dann ist mir das sehr deutlich lieber als irgendein Super-Weitwinkel-Bildfeld, bei dem man aber die Scharfeinstellung verdrehen muß, je nach dem, ob man in der Mitte oder am Rand gerade optimal scharf schauen möchte. Ich habe außerdem auch nach vielen Jahren immer noch Spaß an den Bildern, die aus einem Fernrohr mit 100 mm oder sogar kleinerer Öffnung rauskommen. Ich mag es ehrlich gesagt auch irgendwie, wenn 4 Okulare bequem in eine Hand passen. (Aber Gigantomanie ist ja auch auf anderen Gebieten wie beispielsweise den heutigen DSLR-Kameras und -Objektiven oft ein Thema.)

Aber ich muß eigentlich kotzen, wenn sich ein Tubus aus eigenem Gewicht verbiegt, eine biegsame Welle wegen schlechter Fertigung herumeiert, die Plastikmontierung zu knirschen anfängt, sobald man eine Kamera ansetzt, oder man vor der ersten Beobachtungsnacht mit einem neuen Teleskop erstmal kleine Metallschnipsel zwischen die beiden Objektivlinsen klemmen muß, damit das Bild vernünftig scharf ausschaut. (Bei einem alten, gebraucht gekauften Teleskop würde ich solche Basteleien natürlich tolerieren, man weiß ja nie, was das arme Ding schon alles vorher durchgemacht haben könnte….!)

Und was ich auch nicht mag, sind Montierungen, wo die Teilkreise nicht sauber drauf abgelesen werden können. Natürlich geht das heute auch alles digital. Aber ich mag auch keinen Kabelsalat, keine zich leuchtenden LEDs oder womöglich angeschlossene Computer. Irgendwie – bin ich halt einfach nur zum Sternegucken da draußen und möchte nicht unbedingt eine ganze Sternwarte mit eigener Stromversorgung mitnehmen müssen! (Der Leser merkt schon: Beobachtungsvorlieben sind sehr subjektiv …. naja, gottseidank, oder?)

Es gibt ja – gerade Astronomen vermuten es sicher schon lange *g* – immer ein Paralleluniversum. Auch was die schöne neue Astrowelt angeht. Zeiss Jena Telementoren erfreuen sich da eines konstant hohen Zuspruchs trotz nur 63 mm Objektivdurchmesser und unzumutbar vorsintflutlichen 220V Synchronmotoren obendrein ganz ohne PEC-Korrektor. Unscheinbare kleine Okulare, lackiert in seidenmattem schwarz, mit simplen Aufdrucken wie O-16 oder O-9 erzielen erstaunliche Preise. Und der vielleicht einzige amerikanische Teleskophersteller, dem es auch 2009 noch einigermaßen gut geht, produziert unbeirrt seine Fernrohre aus edel verarbeitetem und gestaltetem Aluminium sowie Titan und das seit über 50 Jahren quasi unverändert. In dieser Parallelwelt ist vielleicht auch noch Platz für Okulare von Kasai, Leitz und Brandon: Sollen doch die anderen sich mit den modernen riesigen Glaskugeln, die viele Fernrohre schon allein vom Gewicht her völlig außer Gleichgewicht bringen, den täglich wachsenden Gesichtsfeldern und Kidney-Bean-Effekten herumplagen! Und weiter unten, da gibt es halt für teilweise Taschengelder klassisches Equipment von Vixen, Unitron, Celestron …. um nur einige zu nennen.

Brandon Okulare

Seit 1971 im Programm – 38 Jahre fast unverändert:
Vernonscope Brandon Okulare
(Bild: Vernonscope)

Allen diesen Geräten ist gemeinsam: Sie sind teilweise lebende Fossilien. Sie werden sich womöglich in vielen Tests, abhängig davon, welche Kriterien gerade öffentlich angesagt sind, gegenüber moderneren, effizienten, „besseren“ Geräten mehr oder weniger deutlich geschlagen geben müssen. Man hat 1970 noch nicht so ausgefeilte Vergütungsschichten übereinandergestapelt wie heute. Linsenkanten wurden auch eher nach dem gesunden Menschenverstand des Konstrukteurs geschwärzt und nicht unbedingt nur als Werbeargument.

Und das Thema „Gesichtsfeld“ hatten wir auch schonmal; heute heißt ja alles unterhalb von 82 Grad strenggenommen schon mitleidig „Tunnelblick“. Das verstehe ich nicht, was ist an einem schön scharfen, in jeder Hinsicht bequem mit dem Auge übersehbaren Bild mit einem schönen runden schwarzen Rand drumherum im Okular denn nun eigentlich so grundlegend falsch? Das, was man in so manchem alten Okular sieht, klar und deutlich durch wenige, sauber polierte kleine Linsen, spricht halt eindeutig für sich! Sicher gibt es auch irgendwelche Zahlenwerte, die das belegen würden. Auch wenn ausgerechnet diese Meßgrößen momentan vielleicht einfach nicht angesagt sind.

Eigentlich kann ich froh sein, daß ich gegen manche Dinge immun bin. Es würde auch jede Menge Geld sparen auf lange Sicht – und man könnte denken, ich rede mir nur aus finanziellen Gründen hier etwas schön. Aber das stimmt leider nicht: Manche der Verlockungen des Paralleluniversums sind halt leider genauso verdammt teuer! Eine Box mit 5 Brandon-Okularen drin, noch sind sie nagelneu zu haben, für 1000 Dollar in den USA! Gesichtfeld? Ausreichend! (So ähnlich hat Rolls Royce früher auch die Motorleistung seiner Limousinen angegeben.) Aber alle 5 Okulare ganz selbstverständlich parfokal. Das sind eben die Feinheiten, die beweisen, daß sich jemand eben wirklich gründlich Gedanken macht.

Wenigstens die materiellen Träume gibt es halt überall *g* …. Das vereint dann wohl wieder alle Amateurastronomen. Genau wie das Wetter!